Wege der Ganzwerdung

3.3.2 Lebensenergetische Forschung – Eggetsbergers Pc-Energie

Reiki Wissenschaft Bezug zum Thema: Bei der von Eggetsberger postulierten Pc-Energie (PcE) soll es sich ebenfalls um eine Form der Lebensenergie handeln. Der Ansatz findet hier vor allem deshalb Erwähnung, weil der von Eggetsberger entwickelte PcE-Trainer in den Experimenten dieser Studie explorativ eingesetzt wurde.

Hintergrund: 1993 begann Gerhard H. Eggetsberger am Institut für
Biokybernetik und Biofeedbackforschung in Wien eine Forschungsreihe zu
Sexualität und Orgasmus. Bei Hirnfeldmessungen während des
Geschlechtsverkehrs zeigte sich, dass die Messwerte der abgeleiteten ultralangsamen Potentiale (ULP; vgl. S. 75 ff.) im Hintergrund des EEGs anstiegen. Als Hirnfeld wird
von Eggetsberger hierbei das über die Kopfhaut abgeleitete elektrische
Feld der Großhirnrinde bezeichnet. Auf der Suche nach der Quelle dieser
von Eggetsberger als „Sexualenergie" gewerteten elektrischen
Potentialerhöhungen wurde unter anderem der Pubococcygeus-Muskel (Pc-Muskel)
des Beckenbodens untersucht. Es stellte sich heraus, dass die
Potentialerhöhungen mit der Aktivität des Pc-Muskels in Zusammenhang
standen.

Eggetsberger entwickelte daraufhin ein Trainingsprogramm für den Pc-Muskel (Pc- Energie-Training oder
PcE-Training), mit welchem sich das Basisniveau der ULPWerte erhöhen
ließ und welches der Steigerung der allgemeinen Vitalität und Energie
im Alltag, der Gesundheit und der sexuellen Potenz zuträglich sein
soll. Des Weiteren entwickelte er ein spezielles PcE-Trainingsprogramm
zur Leistungssteigerung bei Spitzensportlern. Eggetsberger stellte im
Laufe seiner Untersuchungen fest, dass Übungen, die im indischen Kundalini-Yoga zur Erweckung und Steigerung der Kundalini-Energie
verwendet werden, auch beim PcE-Training zu guten Ergebnissen führen.
Bei hohem Trainingsumfang und konsequenter Anwendung bestimmter
Zusatztechniken soll durch das PcE-Training ebenfalls ein Prozess der
Bewusstseinserweiterung einsetzen (Eggetsberger, 1996).

Erklärungsmodell: Eggetsbergers Interesse gilt vor allem den
vitalisierenden und bewusstseinserweiternden Effekten des
PcE-Trainings. Als vermittelnden Mechanismus vermutet er eine
Aktivierung verschiedener Hirnareale (IPN, 21.4.2003b); die
postulierten gesundheitsfördernden Effekte führt er auf die Aktivierung
von Selbstheilungskräften zurück (IPN, 9.9.2003b). Da Eggetsberger die
PcE jedoch mit verschiedenen Lebensenergien gleichsetzt, und in diesem
Sinne eine bislang unbekannte Energieform postuliert (vgl.
Eggetsberger, 1996, S. 9, 20 & 21), läge es nahe, für diese
paranormale Eigenschaften anzunehmen. Dies tut Eggetsberger nach
Kenntnis des Verfassers jedoch nicht. Zwar führt er z. T.
quantenphysikalische Wirkmechanismen an (IPN, 21.4.2003c), doch aus der
Natur der von ihm geschilderten Phänomene ergibt sich keine
Notwendigkeit hierzu. An anderer Stelle (IPN, 21.4.2003b) wiederum
unterstellt Eggetsberger den klassischen Lebensenergien implizit rein
elektrische Natur. Eine klare Stellungnahme, in der er die Vorstellung
(und damit auch den Terminus) einer spezifischen Lebensenergie zugunsten
elektrophysiologischer Mechanismen verwirft, konnte der Verfasser nicht
ausfindig machen. Stattdessen werden die Ausdrücke Lebensenergie, Energie und elektrisches Potential je nach Kontext synonym verwendet.

Empirische Evidenz: Eine Online-Literaturrecherche vom 21.4.2003 unter PsycINFO, zum Stichwort PcE ergab
41 Einträge, bei denen es sich jedoch nicht um Eggetsbergers PcE
handelte. Bei Medline waren es 605 Einträge, für die dasselbe gilt.
Unter den Suchbegriffen PcE-Trainer, PcE-Training, PcE-Scanner und Eggetsberger fanden
sich weder bei PsycINFO, noch bei PSYNDEX oder Medline irgendwelche
Einträge. Eine unsystematische Suche bei Google am selben Tag lieferte
ebenfalls keine Hinweise auf wissenschaftliche Untersuchungen außerhalb
des International PcE Network (IPN), und auch auf der
Homepage des IPN (9.9.2003a) konnte der Verfasser, abgesehen von vier
Diplomarbeiten im sportphysiologischen Bereich, keine kontrollierten
Studien ausfindig machen. Zwar ist nicht auszuschließen, dass sich die
durchgeführte Recherche auf suboptimale Datenbanken stützt und
eventuell vorhandene Publikationen in den Bereichen von Biofeedback,
Sport und spiritueller Transformation nicht ausfindig machen konnte;
doch kann festgehalten werden, dass sich insgesamt wenig Hinweise auf
kontrollierte Forschung zur PcE ergeben. Führt man sich zudem vor
Augen, dass sich der von Eggetsberger postulierte wissenschaftliche
„Nachweis" der Lebensenergie (Eggetsberger, 1996, S. 9) bestenfalls auf
Korrelate stützt, scheint Zurückhaltung bei der Interpretation seiner
Aussagen angebracht.

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